Microfinance Brigade September 2011

Im September 2011 war es endlich so weit: die erste Gruppe bestehend aus sechs Mitgliedern der deutschen „Global Brigades“-Sektion flog nach Ghana, um dort in der Community Ekumfi Ekotsi das erste deutsche Mikrokredit-Projekt durchzuführen. Im Vorfeld wurden in zahlreichen Fundraising-Aktionen Spendengelder gesammelt und die Bevölkerung über unser Vorhaben informiert. Aufgrund der großen positiven Resonanz konnten wir den gesamten Betrag zur Finanzierung unseres Projekts durch Spendengelder abdecken.

Vor Ort stand uns ein Team von vier „Global Brigades“-Mitarbeitern (zwei davon aus den USA und zwei aus Ghana) als Projektleiter und Berater zur Verfügung, mit welchem wir in den zehn Projekttagen große Entwicklungen in unserer Projekt-Community erarbeiten konnten.

Vorbereitung der Projektarbeit

Ein großes Anliegen von „Global Brigades“ ist es, wirkliche Entwicklungszusammenarbeit zu betreiben. Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit ist es, die Kultur und Lebensumstände der Menschen im Land kennen zu lernen und sich darin einzufinden. Hierfür beteiligten wir uns an zwei traditionellen Zeremonien im Dorf und führten einen Tag lang Hausbefragungen über die Wünsche und Nöte der Dorfbewohner durch.

AKWAABA – bei der sog. „opening ceremony“, bei der wir im Dorf aufs Herzlichste willkommen geheißen wurden, konnten wir erste Einblicke in die Kultur und Lebensweise der Ghanaer sammeln.

Beim folgenden ersten Gespräch mit dem Leitungskomitee des EEDF baten die Mitarbeiter uns deutsche Studentinnen um Hilfe, die Bank finanziell unabhängig und zahlungskräftiger zu gestalten – bis dato hatten die Mitglieder der Community lediglich die Möglichkeit, ihre Ersparnisse im EEDF anzulegen und sich mit einem „businessplan“ für einen Kleinkredit zu bewerben, von denen bislang aufgrund mangelnden Kapitals nur sechs vergeben werden konnten; weitere finanzielle Dienstleistungen konnte der EEDF noch nicht zur Verfügung stellen. Denn neben dem Angebot von „financial services“ für die Dorfbewohner ist es die eigentliche Aufgabe des EEDF, der Entwicklung der Community finanziell und beratend auf die Sprünge zu helfen und dabei dem Gemeinwohl zu dienen.

In Absprache mit den Verantwortlichen in der Community und unseren Projektleitern entschieden wir uns daraufhin für die Fertigstellung zweier Projekte, die für die Community von großer Wichtigkeit sind, bis dato jedoch noch nicht vollendet werden konnten. Die Entscheidung fiel gerade auf diese beiden Projekte, da hier die Community in Eigenregie bereits große Vorarbeit geleistet hat und für beide Projekte das notwendige Verständnis und Verantwortungsbewusstsein spürbar ist.

Die folgenden Projekttage waren bestimmt von zahlreichen Meetings mit den EEDF-Mitarbeitern und dem Vorstand der „Cassava Processing Cooperative“, in denen im Dialog zwischen den Community-Mitgliedern und uns Studenten wirtschaftlich nachhaltige Konzepte für Lokalbank und Produktionsbetrieb erarbeitet wurden.

Die beiden ersten deutschen Projekte in Ekumfi Ekotsi

1) Einführung eines „shareholder models“, welches dem „Ekumfi Ekotsi Development Fund“ die Möglichkeit geben soll, durch den Verkauf von Aktien das Kapital des Funds zu erhöhen. Aus diesem Topf können dann Mikrokredite an Kleinunternehmer ausgegeben werden. Zusätzlich erwerben sich die Aktieninhaber mit dem Kauf einer Aktie eine Stimme, um abstimmen zu können, welche Projekte zukünftig aus dem EEDF-Kapital bezahlt werden sollen.

Der EEDF ist eine Art Lokalbank, die jedoch nicht wirtschaftlich ausgerichtet ist, sondern allein dem  Gemeinwohl der Community als Träger von finanziellen Dienstleistungen und als Finanzpool für die weitere Verbesserung der Lebensumstände im Dorf dient.

2) Inbetriebnahme der „Gari Processing Cooperative“; das Agrarprodukt „Gari“ – eine Art Mehl, gewonnen aus der Cassava-Wurzel – ist eines der Hauptnahrungsmittel in Ghana und somit eine wichtige Einnahmequelle für die Subsistenzbauern der Region.

Die Manufaktur stellt den Bauern gegen einen geringen Betrag die für die Gari-Produktion notwendigen Geräte zur Verfügung und gibt 60% dieser Einnahmen direkt in den EEDF ab.

Alle Verantwortlichen für die „Cassava Processing Cooperative“ zusammen mit dem board member team des EEDF und den Mitarbeitern von GB Ghana und GB Universität Bayreuth in der Maschinenhalle der „Cassava Processing Cooperative“.

Durch diese beiden Projekte ist das Dorf Ekumfi Ekotsi in naher Zukunft in der Lage, eigenständig neue Anschaffungen zu tätigen und ohne auswärtige Hilfe selbst Entwicklungsprojekte zu finanzieren, um die Lebensumstände zu verbessern.